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	<title>ecke:sócrates &#187; Geschäft</title>
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	<description>Das Hintergrund-Journal zur WM 2014 in Brasilien</description>
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		<title>Von Nummer zu Nummer</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jun 2014 03:03:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bislang lief das WM-Geschäft für das Restaurant Mineirinha in Belo Horizonte hervorragend. Bis zu dem Tag, an dem Argentinien gegen den Iran spielte. (Belo Horizonte) Etwas verloren steht Mariana Lessa Ladeira in dem großen Raum. Er ist komplett gelb-grün dekoriert...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Bislang lief das WM-Geschäft für das Restaurant Mineirinha in Belo Horizonte hervorragend. Bis zu dem Tag, an dem Argentinien gegen den Iran spielte.</em></p>
<p>(Belo Horizonte)</p>
<p>Etwas verloren steht Mariana Lessa Ladeira in dem großen Raum. Er ist komplett gelb-grün dekoriert und die zwei Flatscreenfernseher an der Wand warten darauf, Marianas Gästen feinsten WM-Fußball zeigen zu können. Solch einen Raum zu besitzen, darauf hat die blondierte Enddreißigerin lange hingearbeitet. Einen Großteil ihres Arbeitslebens hatte sie als Hotelbedienstete und Kellnerin in den USA und Europa geschuftet. Vor einigen Jahren kehrte sie dann endlich in ihr Heimatland Brasilien zurück, um dort mit ihrem Partner und den gesamten Ersparnissen ein Restaurant aufzubauen.</p>
<p>»Mineirinha« heißt es – und steht nur hundert Meter vom Estádio Mineirão in Belo Horizonte entfernt. Wenn auch in den Anfangsjahren auf wackeligen Beinen. Die WM 2014 soll ihrem Geschäft einen ordentlichen Schwung geben, von den Sondereinnahmen möchte sie längst überfällige Investitionen tätigen. Das ist seit Monaten Marinas einziges Ziel.</p>
<p>Die ersten Wochen der WM lief alles nach Plan. Vor allem an den Tagen, an denen nebenan im Mineirão gespielt wurde, herrschte vor und nach dem Spiel Hochbetrieb. Insgesamt sechs WM-Spiele finden in Belo Horizonte statt, darunter eines der Halbfinals. Zahltage für Mariana und ihre Mitarbeiter.</p>
<p>Doch vergangenen Samstag, nach dem Spiel Argentinien gegen den Iran, ist auf einmal alles anders: »Schon während das Spiel noch lief, hat die Polizei auf einmal die Hälfte der Zufahrtsstraße zum Stadion gesperrt. Ausgerechnet den Teil, in dem unser Restaurant steht. Und das ohne Vorankündigung.« Nach dem Spiel konnte sich daher kein einziger der aus dem Stadion herausströmenden Zuschauer den Weg zum Mineirinha bahnen. Dabei wären vor allem die nach Messis Last-Minute-Siegtor bierdurstigen Argentinier eine hervorragende Kundschaft gewesen. Das Restaurant blieb, bis auf ein paar Anwohner, leer.</p>
<div id="attachment_393" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altArYYC_w0XW_wG24MLjzXYFMCQC4VBQYfJ9HP9zeSJJ2Z.jpg"><img class="wp-image-393 size-full" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altArYYC_w0XW_wG24MLjzXYFMCQC4VBQYfJ9HP9zeSJJ2Z.jpg" alt="Die Absperrung: Argentinische und iranische Fans kommen nicht daran vorbei (Bild: privat)" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Die Absperrung: argentinische und iranische Fans kommen nicht daran vorbei (Bild: privat)</p></div>
<p>Lucas, ein Mitarbeiter, der am Samstag dabei war, versteht nicht, warum die Aktion nicht wenigstens vorher angekündigt wurde: »Dann hätten wir niemals so viel investiert. Wir haben sogar diesmal extra den Parkplatz zum Biergarten umfunktioniert, um noch mehr Menschen bedienen zu können. Stattdessen standen wir bloß herum und sahen wie die Fans die Bars auf der anderen Seite der Absperrung bevölkerten.«</p>
<p>Der Vorfall ist ein Mysterium, das Mariana heute, zwei Tage später, immer noch nicht aufgeklärt hat. »Ich telefoniere schon seit früh morgens mit den lokalen Behörden, mit der Polizei, mit der Fifa«, sagt Mariana. »Keiner nennt mir eine Begründung, keiner will dafür verantwortlich sein. Die Fifa beschuldigt die Polizei, die Polizei die Behörden. Und die wiederum die Fifa.«</p>
<p>Polizisten und Fifa-Mitarbeiter im Stadionbereich wollten oder konnten auf Nachfrage von ecke:sócrates nichts zu dem Vorfall sagen.</p>
<div id="attachment_392" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altAo3xZgtoSzBKKpksv3UkDCc74yMqtE5AUhDzCrBg05YW.jpg"><img class="size-full wp-image-392" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altAo3xZgtoSzBKKpksv3UkDCc74yMqtE5AUhDzCrBg05YW.jpg" alt="Tatenlos: Die Mitarbeiter des Mineirinha am letzten Samstag (Bild: privat)" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Tatenlos: Die Mitarbeiter des Mineirinha am letzten Samstag (Bild: privat)</p></div>
<p>Mariana ist verbittert. Auch die Kommunikation im Vorfeld der WM sei alles andere als ideal verlaufen. Es habe noch nicht einmal eine Informationsveranstaltung gegeben, weder für die lokalen Geschäfte noch für die Anwohner des Stadions. Und wenigstens die sollten doch Bescheid wissen. Schließlich werde die Region rund um das Stadion an Spieltagen stets für mehrere Stunden großflächig abgesperrt.</p>
<p>Lucas ergänzt: »Es gibt einfach keinen festen Plan, wer für was zuständig und verantwortlich ist. Mal ist es ein Fifa-Mitarbeiter, mal ein Polizist. An manchen Tagen kommt es vor, dass selbst wir Restaurant-Mitarbeiter trotz unseres Ausweises nicht in die Stadionzone gelassen werden. Dann muss die Chefin uns extra abholen.«</p>
<p>Letztere hat in diesem Moment noch weitere Sorgen. Schon morgen findet das nächste Spiel in Belo Horizonte statt, Costa Rica gegen England. Und Mariana weiß bis jetzt immer noch nicht Bescheid, ob ihr Teil der Straße wieder abgesperrt werden wird. »Ich muss das aber jetzt wissen. Ich muss das Essen einkaufen, die Mitarbeiter einplanen. Einen weiteren Verlust dieses Ausmaßes kann ich mir nicht leisten.« In selben Moment klingelt ihr Handy und sie geht hastig dran. Als sie auflegt, rollt sie mit den Augen: »Wieder eine neue Telefonnummer. Schon den ganzen Tag werde ich von Nummer zu Nummer weitergereicht.«</p>
<p>Dann muss Mariana weiterarbeiten. Es gibt trotz der Ungewissheit für morgen noch viel zu tun. Im Gehen wird sie noch ein paar enttäuschte Schlussworte los: »Es ist schon traurig. Wir zahlen unsere Steuern und tun alles dafür, ein guter Gastgeber zu sein. Damit wir stolz auf Brasilien zu sein können. Doch weder die Fifa, noch die Regierung kümmern sich um uns, um die lokale Wirtschaft. Die leben in ihrer eigenen Welt. Ungefähr 50 Meter von hier entfernt.«</p>
<div id="attachment_391" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altAi3ywsy-HNLOBxiSza5MS9IKzSF_c-pdVHaCXvIIND_.jpg"><img class="size-full wp-image-391" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altAi3ywsy-HNLOBxiSza5MS9IKzSF_c-pdVHaCXvIIND_.jpg" alt="So sieht es an einem gewöhnlichen Spieltag im Außenbereich des Mineirinha aus (Bild: privat)" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">So sieht es an einem gewöhnlichen Spieltag im Außenbereich des Mineirinha aus (Bild: privat)</p></div>
<p>Spät am Abend desselben Tages verschickt Mariana noch eine letzte SMS: »Habe den ganzen Rest des Tages telefoniert und gerade doch noch eine positive Rückmeldung für morgen bekommen. Ich hoffe nur, dass es auch wirklich klappt…«</p>
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		<title>Stammplatz Bürgersteig</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jun 2014 03:23:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[hintergrund:ecke]]></category>
		<category><![CDATA[Geschäft]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[São Paulo]]></category>

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		<description><![CDATA[Dort, wo sich in São Paulo die viel befahrenen Avenidas Santo Amaro und Padre Antonio Jose dos Santos kreuzen, bleibt tagsüber eigentlich niemandem Zeit zum Innehalten. Die Grün- und Rotphasen der Ampeln sind ungewöhnlich kurz und schon bei der geringsten Verzögerung...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dort, wo sich in São Paulo die viel befahrenen Avenidas Santo Amaro und Padre Antonio Jose dos Santos kreuzen, bleibt tagsüber eigentlich niemandem Zeit zum Innehalten. Die Grün- und Rotphasen der Ampeln sind ungewöhnlich kurz und schon bei der geringsten Verzögerung dröhnen die Hupen der Hektiker. Sich zu Fuß durch dieses pulsierende Verkehrsdickicht zu schlängeln erscheint schon für einen jungen, gesunden Sportler wie ein Selbstmordversuch. Dass ein älterer Herr auf Krücken dies jedoch tagein tagaus erfolgreich tut, ist so ungewöhnlich, dass er es zu lokaler Berühmtheit gebracht hat. Jeder hier in der Gegend kennt ihn, Lourival, 67 Jahre alt, der sein Leben lang als Händler tätig war.</em></p>
<p>(São Paulo)</p>
<p>Sein breites Lächeln lenkt vom Rest seines in die Jahre gekommenen Erscheinungsbildes ab. Das Gesicht ist von Furchen gezeichnet, ohne ein Hörgerät versteht er nichts und ohne die zwei Krücken könnte er keinen Fuß vor den anderen setzen. Doch genau das vollbringt er jeden Tag aufs Neue. Steht um fünf Uhr morgens auf, um pünktlich um spätestens um halb sieben mit der Arbeit zu beginnen.</p>
<p>Jetzt, während der WM, hat Lourivals Geschäft Hochkonjunktur. Er ist Straßenhändler. In seinem Bauchladen, einer Art Sporttasche, die er um den Hals trägt, hat er genau drei Produkte zur Auswahl: Kaugummis, einen Brasilien-Überzug für den Außenspiegel des Autos und Brasilien-Flaggen, die man ebenfalls am Auto befestigen kann. Sein Stammplatz ist der Bürgersteig. Wenn der Verkehr fließt, unterhält er sich mit vorbeigehenden Passanten. Wenn die Autos jedoch halten, schiebt er sich auf unnachahmliche Weise zwischen ihnen hindurch und versucht seine Artikel an den Mann zu bringen.</p>
<div id="attachment_327" style="width: 588px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140616_002.jpg"><img class="size-large wp-image-327" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140616_002-578x1024.jpg" alt="Lourival und sein Bauchladen (Foto: T. Zwior)" width="578" height="1024" /></a><p class="wp-caption-text">Lourival und sein Bauchladen (Foto: T. Zwior)</p></div>
<p>Rund 50 Reais (umgerechnet 16 Euro) setzt er am Tag um, nach zwölf Stunden Arbeit. »Während der WM verdiene ich rund zwanzig Prozent mehr als an normalen Tagen“, sagt er. »Doch das wiegt nicht auf, was die WM mir und den anderen Menschen Brasiliens genommen hat. Die medizinische Versorgung in unserem Land ist katastrophal. Doch anstatt mehr Krankenhäuser zu bauen, errichten die Eliten Stadien.« Lourival hat seit einigen Jahren Krebs. Seit über sechs Monaten wartet er auf den nächsten Arzttermin, den er dringend braucht.</p>
<p>Von seiner Krankheit lenken ihn nur die Arbeit und die unzähligen täglichen Gespräche ab. Gerne spricht er auch über Fußball. »Ich glaube, dass Brasilien Weltmeister wird, aber ich hoffe es nicht«, sagt er. »Denn wenn Brasilien gewinnt, wird sich in diesem Land nichts ändern. Lieber soll Deutschland den Titel holen. Die haben ein richtiges Team, elf gute Spieler. Nicht nur einen einzigen wie Portugal mit Ronaldo, Argentinien mit Messi oder auch Brasilien mit Neymar.«</p>
<p>Lourival hat sein ganzes Leben in São Paulo verbracht, er war noch nie in Rio de Janeiro. Ob er sich seinen größten Traum, einmal an der Copacabana entlangzugehen, erfüllen kann, erscheint mehr als fraglich. Einen Tag zu Anfang der WM werde er jedenfalls niemals vergessen: »Ein Mann kaufte mir alle meine Brasilien-Fahnen ab. Darauf fragte ich ihn, was er denn damit vorhabe. Er antwortete, er werde sie verbrennen, allesamt.«</p>
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