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	<title>ecke:sócrates &#187; Finale</title>
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	<description>Das Hintergrund-Journal zur WM 2014 in Brasilien</description>
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		<title>»Das war der beste Deal meines Lebens«</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Jul 2014 13:45:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[hintergrund:ecke]]></category>
		<category><![CDATA[Finale]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie ein Brasilianer aus Rio die WM verbracht hat, dessen gesamtes Leben aus Fußball besteht. Ein Porträt. (Rio de Janeiro) Jeder in Leme kennt Eduardo. Leme, das ist ein Stadtteil Rio de Janeiros, direkt neben Copacabana gelegen, am Fuße einer...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wie ein Brasilianer aus Rio die WM verbracht hat, dessen gesamtes Leben aus Fußball besteht. Ein Porträt.</em></p>
<p>(Rio de Janeiro)</p>
<p>Jeder in Leme kennt Eduardo. Leme, das ist ein Stadtteil Rio de Janeiros, direkt neben Copacabana gelegen, am Fuße einer dieser unverkennbaren grünen Hügel. Eduardo Mambrini, ein 45-jähriger Brasilianer mit leichtem Bauchansatz, breitem Lächeln und grauen Schläfen, ist ein ehemaliger Profi-Strandfußballer. Er hat sein ganzes Leben lang in Leme verbracht und für den Club »Colorado do Leme« gespielt. Im richtigen Leben ist er Anwalt, am Strand ist er Freistoßspezialist &#8211; mit viel Gefühl im nackten Fuß.</p>
<div id="attachment_535" style="width: 588px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140714_040.jpg"><img class="size-large wp-image-535" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140714_040-578x1024.jpg" alt="Eduardo als Jugendlicher bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Strandfußball (Bild: T. Zwior)" width="578" height="1024" /></a><p class="wp-caption-text">Eduardo als Jugendlicher bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Strandfußball (Bild: privat)</p></div>
<p>Wenn er durch die Straßen seines Viertels geht, muss er an jedem Kiosk, jeder Straßenlaterne, jedem Zebrastreifen kurz stoppen, um mit irgendjemandem einen Plausch zu halten. Er tut es gerne, denn meist geht es um Fußball. Heute, einen Tag nach dem Weltmeisterschaftsfinale, unterhält er sich auf der Straße mit einem alten Kumpel. Gemeinsam hatten sie schon länger überlegt, in naher Zukunft eine Reise nach Deutschland zu machen. »Mein Kumpel hat immer etwas gezögert, als es um die Reiseplanung ging, aber jetzt ist Deutschland Weltmeister und es kann ihm auf einmal nicht schnell genug gehen. Er würde am liebsten schon morgen fliegen«, sagt Eduardo grinsend.</p>
<p>Eduardo hat einen besonderen Bezug zu Deutschland. Seine Jugendliebe ist Deutsche und er hat dort immer noch einige Freunde. Er bezeichnet sich als Fan des 1. FC Köln. Das wissen in Leme aber nicht allzu viele Menschen. Für seine Freunde ist Eduardo derjenige, dessen Herz für den Club Flamengo Rio de Janeiro schlägt, seit er denken kann. Er war ein Junge damals, Anfang der 80er, als Flamengo mehrmals die nationale Meisterschaft gewann, die Copa Libertadores und sogar den Weltpokal im Finale gegen den FC Liverpool. Sein Lebensweg kreuzt sich immer wieder mit dem ehemaliger Flamengo-Legenden.</p>
<p>Eduardo erzählt, wie sein Onkel, ein Journalist, ihn einmal zu einem Bankett der brasilianischen Liga mitnahm und ihn dort Zico vorstellte, dem großen Star der damaligen Mannschaft. Eduardo brachte vor Aufregung kein Wort heraus. Ein anderes Mal besuchte er seine Tante in Leme sonntags nachmittags zum Kaffeetrinken und traute seinen Augen kaum, dass dort auf dem Sofa nicht die übliche Verwandtschaft, sondern Lico, einer von Flamengos Außenstürmern saß: »Da saß Lico, mein Lico, den ich ein paar Tage zuvor noch im Stadion angefeuert hatte«, erinnert er sich. Mit dem Nationalverteidiger Júnior, dessen Original-Trikot er besitzt, hat er öfters am Strand von Leme gekickt. »Auch die Profis genossen es, ab und zu mal bei uns Strandfußballern mitzuspielen, vor allem nach Beendigung ihrer Karriere«, sagt er. Jairzinho, gemeinsam mit Pelé der beste Spieler der Weltmeistermannschaft von 1970, wohnt bei Eduardo um die Ecke. »Jairzinho ist eine Legende. Ich treffe ihn ständig an der Tankstelle oder am Kiosk und dann quatschen wir.«</p>
<div id="attachment_542" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/Edu_Junior_neu.jpg"><img class="size-large wp-image-542" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/Edu_Junior_neu-1024x578.jpg" alt="Eduardo mit seinem Flamengo-Idol Júnior am Strand (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Eduardo mit seinem Flamengo-Idol Júnior am Strand (Bild: privat)</p></div>
<p>Mit seinem Vater ist Eduardo schon von klein auf ins Maracanã-Stadion gepilgert, manchmal zweimal die Woche. Sein bewegendstes Spiel war das Meisterschaftsfinale 1980, das Flamengo gegen Atletico Mineiro vor 154.000 Zuschauern mit 3:2 gewann. Und auch das neue Maracanã kennt er. Er grämt sich nicht ob der Veränderung. »Ich habe fast mein ganzes Leben im alten Maracanã verbracht. Das neue ist eben moderner, sicherer, sauberer. So ist das Leben. Dinge ändern sich.« Dass er jedoch auch während der WM einmal in seinem Stadion sein würde, daran hat er nicht geglaubt.</p>
<p>»Ich hatte keine Tickets und dachte die WM würde vor meiner Nase verstreichen, ohne, dass ich ein Spiel live gesehen habe.« Doch dann kamen ihm seine Gastfreundschaft und der Zufall zu Hilfe. Während der WM haben viele ausländische Gäste auf Eduardos Couch geschlafen. Unter anderem auch ein Chinese, der Freund des Mannes seiner Schwester. Eines Abends saß er mit dem Chinesen in der Kneipe. Es war der Abend vor dem WM-Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich in Rio.</p>
<p>»Im Verlauf des Gesprächs fragte der Chinese mich beiläufig, ob ich Fußball möge. Ich, der Fußball in Person, antwortete völlig perplex: Fuß-was?« Das schien dem Chinesen zu genügen. Er hatte tatsächlich zwei Tickets für das WM-Viertelfinale und eines bekam Eduardo. Couch gegen Ticket. »Das war der beste Deal meines Lebens«, sagt Eduardo, der es heute noch nicht begreifen kann: »Ich lief am nächsten Tag um das Stadion herum. Ich war mein ganzes Leben lang hier und jetzt bin ich es immer noch. Aber an dem Tag fühlte es sich so an, als würde ich Geschichte schreiben. Wie oft bin ich mit meinem Vater hierhergelaufen. Und jetzt findet die WM in meinem Stadion statt. Es war Wahnsinn.«</p>
<p>Dass in diesem Spiel der Grundstein für das 1:7 der brasilianischen Mannschaft gegen Deutschland wenige Tage später gelegt wurde, stört Eduardo nicht mehr. Die aktuelle Seleção hat ihn nicht berührt. Er trauert vielmehr immer noch der legendären Mannschaft von 1982 nach, um den Kapitän Sócrates und viele seiner Flamengo-Helden wie Zico, Júnior oder Leandro.</p>
<p>»Das war die beste Mannschaft, die wir jemals hatten. Als sie völlig unerwartet durch die drei Tore des Italieners Paolo Rossi ausgeschieden ist, sind unglaubliche Dinge passiert. Die Menschen auf den Straßen haben geweint. Und es war auch das einzige Mal, dass ich selbst beim Fußball geweint habe. Das war nicht zu vergleichen mit dem 1:7 gegen Deutschland. Damals hatte man noch nicht so viele Optionen im Leben. Der Fußball war allgegenwärtig.« Bis heute kann sich Eduardo die Spiele der 82er Mannschaft nicht ansehen, nicht einmal die grandiosen Siege. Es macht ihn zu traurig.</p>
<div id="attachment_543" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/gruppenbild_leme_neu.jpg"><img class="size-large wp-image-543" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/gruppenbild_leme_neu-1024x578.jpg" alt="Gruppenbild von Eduardos Team Colorado mit einigen Nationalspielern 1993. Mit dabei auch der junge (und etwas schlankere Ronaldo) und Leonardo. Im Hintergrund der markante Berg Morro do Leme. (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Gruppenbild von Eduardos Team Colorado mit einigen Nationalspielern 1993. Mit dabei auch der junge (und etwas schlankere) Ronaldo und Leonardo. Im Hintergrund der markante Berg Morro do Leme. (Bild: privat)</p></div>
<p>Die WM 2014 jedoch analysiert er gerne. »Wichtig war vor allem, dass diese WM reibungslos verlaufen ist: Der Verkehr, die Metro und auch die Flughäfen funktionierten. Die Touristen mochten es, das Wetter war genial. Wir Cariocas haben uns gut um die vielen Gäste gekümmert. Die WM war auch fußballerisch super. Gute Tore wie das von James Rodriguez, gute Torwarte wie Neuer, Ochoa oder Navas. Teams wie Costa Rica oder Kolumbien, die den Etablierten Druck gemacht haben. Diese Überraschungen sind es doch, die den Fußball ausmachen.«</p>
<p>Am wichtigsten sei aber die Lehrstunde gewesen, die Brasilien im Halbfinale von Deutschland bekommen habe: »Immer hieß es, Felipão ist der beste Trainer, Neymar der beste Spieler. Wir dachten, wir sind die Besten. Aber das stimmt nicht. Die Mannschaft ist an dem durch solche Prophezeiungen entstandenen Druck zerbrochen. Da die Niederlage so drastisch war, weiß das jetzt auch der Letzte. Das Halbfinale war das Optimum für dieses Team. Jetzt müssen wir von vorne anfangen, den gesamten brasilianischen Fußball umkrempeln.«</p>
<p>Auch den Einfluss der WM auf die zukünftige brasilianische Gesellschaft hebt er hervor: »Finanziell gesehen war die WM für den Großteil der Menschen ein Desaster, da die Steuerzahler viel Geld für dieses Turnier ausgegeben haben, für nichts. Den WM-Titel, der das alles übertüncht hätte, haben wir nicht gewonnen«, sagt er. »Aber aus diesem Scheitern müssen wir lernen. Unsere Gesellschaft sollte professioneller werden. Die Deutschen sind so gut, weil sie so viel arbeiten und sich anstrengen. Das ist wichtig zu sehen, dass man mit harter Arbeit sein Ziel erreichen kann. Wir können nicht von vorneherein davon ausgehen, dass wir die Besten sind und sich alles schon irgendwie fügen wird, wie es die brasilianische Lebenseinstellung des »Jeitinho« besagt. Sondern wir müssen uns fokussieren und hart arbeiten. Das Leben schenkt einem nichts.«</p>
<div id="attachment_538" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140714_049.jpg"><img class="size-large wp-image-538" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140714_049-1024x578.jpg" alt="Eduardo heute mit dem Original-Trikot von Júnior: »Damals gab es die Trikots noch nicht zu kaufen, daher hat mein Onkel es für mich besorgt.« (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Eduardo heute mit dem Original-Trikot von Júnior: »Damals gab es die Trikots noch nicht zu kaufen, daher hat mein Onkel es für mich besorgt.« (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Viele dieser Eigenschaften habe er bei der deutschen Nationalmannschaft gesehen, daher sei sie verdient Weltmeister geworden. Und Eduardo ist sich sicher, dass diese Mentalität in den Köpfen vieler Brasilianer nicht nur Eindruck, sondern auch Spuren hinterlassen wird. »Wir werden noch lange über diese WM nachdenken“, sagt er.</p>
<p>Das Finale hat Eduardo gemeinsam mit vielen Deutschen am Strand von Leme, drei Minuten von seiner Wohnung entfernt, verfolgt. Als er sich auf dem Rückweg noch einmal umgedreht hat, sei er wehmütig geworden. »Ich dachte nur, wie schade, die WM hat uns verlassen. Und eine Freundin sagte mir noch am selben Abend: Morgen beginnt in Brasilien das Jahr 2014.«</p>
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		<title>»Das Finale ist noch nicht gespielt«</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jul 2014 05:13:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[hintergrund:ecke]]></category>
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		<description><![CDATA[Nun ist sie vorbei, die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Ein Rückblick auf das Finalwochenende in Rio de Janeiro jenseits von argentinischen und deutschen Fans. (Rio de Janeiro) Nach der historischen Niederlage der Seleção im Halbfinale gegen Deutschland mussten sich viele Menschen...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Nun ist sie vorbei, die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Ein Rückblick auf das Finalwochenende in Rio de Janeiro jenseits von argentinischen und deutschen Fans.</em></p>
<p>(Rio de Janeiro)</p>
<p>Nach der historischen Niederlage der Seleção im Halbfinale gegen Deutschland mussten sich viele Menschen in Brasilien erst einmal sammeln. Am Samstagmorgen, dem Tag des ungeliebten Spiels um Platz 3 gegen die Niederlande, ziehen dann aber doch wieder Horden gelbgrüner Fans durch die Straßen von Rio. Sie wollen zumindest den dritten Platz erreichen und damit ihre Ehre retten, so der Tenor. Zwei jungen Männern ist dies völlig egal. Es sind die Filmemacher Fausto Mota und Henrique Ligeiro, 27 und 29 Jahre alt. Den Interviewtermin legen sie auf Punkt 17 Uhr. Anstoßzeit des letzten Brasilien-Spiels. Am Treffpunkt, einer Bar in der Nähe der Metrostation Largo do Machado, setzen sie sich demonstrativ mit Rücken zum Fernseher.</p>
<p>»Morgen ist die WM endlich vorbei«, sagt Fausto. Kurz vor Beginn WM hat er gemeinsam mit Henrique und dem dritten im Bunde, Raoni Vidal die viel beachtete Dokumentation »Domínio Publico“ veröffentlicht. In dem rund 90-minütigen Film geht es um die Situation in den Favelas von Rio und die Demonstrationen im Zuge der WM. Seit 2011 haben die drei Material gesammelt und Menschen interviewt. Vom Favelabewohner, über den bekannten brasilianischen Journalisten Juca Kfouri bis hin zu Romario, dem Weltmeister von 1994, der jetzt Politiker ist. Herausgekommen ist ein Film, der wie kaum ein anderer einen Einblick in Favela-Problematiken wie die »Befriedung« durch die UPP oder Vertreibungen von Anwohnern gibt, aber auch die Protestbewegung 2013 von Anfang an dokumentiert.</p>
<p><iframe width="640" height="360" src="http://www.youtube.com/embed/dKVjbopUTRs?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Während im Hintergrund Robin van Persie das 1:0 für die Niederlande schießt, beginnen Fausto und Henrique zu erzählen. Wie sie eigentlich 2011 nur eine Dokumentation über den Alltag in Rios Favelas drehen wollten. Wie sie dann immer tiefer in die Materie hineingezogen wurden. Wie sie im letzten Jahr entschieden die Recherchen auszudehnen und dafür per Crowdfunding rund 116.000 Reais (rund 39.000 Euro) gesammelt haben.</p>
<p>»Mit dem Film möchten wir so viele Menschen wie möglich auf die Missstände in Rio vor, während und natürlich auch nach der WM aufmerksam machen«, sagt Fausto. Schon rund eine Million Menschen haben die Kurzversion des Filmes gesehen. Die ausdrucksstarken Bilder der sozialen Proteste im letzten Jahr werfen die Frage auf, warum es dieses Jahr während der WM nur zu vereinzelten Demonstrationen kam, warum die Bewegung eingeschlafen ist. »Das liegt an verschiedenen Faktoren«, sagt Henrique, der die Bewegung von Anfang an begleitet hat. »Die Repressionen der Polizei gegen Demonstranten waren massiv und haben vielen Menschen Angst eingejagt. Außerdem gab es innerhalb der Bewegung viele innere Querelen, es wurde nicht an einem Strang gezogen. Und auch die Ablenkung durch den Fußball hat ihren Teil dazu beigetragen.«</p>
<p>Letzterer Punkt waren für Henrique, Fausto und auch für Raoni, der im Verlauf des Gesprächs dazustößt das geringste Problem. Sie interessieren sich nicht oder nicht mehr für Fußball. Und sie ärgern sich darüber, dass der Fußball während dieser WM noch mehr aufgebauscht wurde als sonst. »Eine zweistellige Zahl von Menschen, darunter auch Jugendliche ist während der WM, während nebenan im Maracana gespielt wurde, in Rios Favelas von der Polizei erschossen worden«, sagt Fausto. »Darüber hat keine einzige große Zeitung berichtet.«</p>
<div id="attachment_513" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140712_039-Kopie.jpg"><img class="size-large wp-image-513" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140712_039-Kopie-1024x578.jpg" alt="Henrique, Fausto und Raoni während des Spiels um Platz 3 (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Henrique, Fausto und Raoni während des Spiels um Platz 3 (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Die drei waren froh darüber, dass Brasilien im Halbfinale ausgeschieden ist. Sie hoffen nun auf andere Nachrichten als Neymars Verletzung oder Scolaris eventuellen Rücktritt, auf eine neue Art von Berichterstattung. Diese wollen sie in Zukunft mit ihren Filmen mitgestalten. Henrique ist sich sicher, dass die WM noch viele ähnliche soziale und journalistische Projekte inspiriert hat, dass viele Menschen sich nun besser organisieren werden. Das sei aber auch der einzige positive Punkt. Als später in der Bar die Fernseher ausgehen, hat keiner der drei das Endergebnis mitbekommen.</p>
<p>Am nächsten Tag, dem Tag des Finales, herrscht im Umkreis des Maracana-Stadions schon um 10 Uhr morgens geschäftiges Treiben. Wie immer ist das Stadion weiträumig von der Polizei abgesperrt, doch an den Sperren ballen sich die Menschen. Brasilianer, Deutsche, Argentinier. Viele wollen noch Tickets kaufen, trotz horrender Summen von bis zu 5000 Euro für maximal 120 Minuten Fußball.</p>
<p>Nicht weit vom Stadion entfernt liegt die <span class="st">Praça Sáenz Peña</span>. Rund 200 Militärpolizisten stehen an diesem Morgen auf dem ansonsten leeren Platz und warten. Sie sind bereit ihr eigenes Finale zu spielen. Für den Finaltag erwarten sie noch einmal Demonstranten. Diese trudeln nach und nach sehr spärlich ein. Um 13 Uhr haben sich schließlich rund 400 Menschen auf dem Platz versammelt und bereiten sich vor: Singen die ersten Anti-Copa-Lieder, rollen Banner aus, halten Reden. An einer Wand werden Fotos vom letzten Jahr ausgestellt. Die Polizisten stehen drumherum. Es ist friedlich.</p>
<div id="attachment_515" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140713_053-Kopie.jpg"><img class="size-large wp-image-515" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140713_053-Kopie-1024x578.jpg" alt="Auch die Polizisten sind zu Anfang der Demo an den ausgestellten Bildern interessiert (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Auch die Polizisten sind zu Anfang der Demo an den ausgestellten Bildern interessiert (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Auch Eron Morais Melo ist vor Ort, besser bekannt als Batman. Er ist ein Symbol der Protestbewegung, ist seit einem Jahr bei fast jeder Demonstration dabei. Seine Atrappe des WM-Pokals mit der Aufschrift »Fuck Fifa« hält er verkehrtherum. Ob es jetzt nicht etwas spät ist gegen die WM zu demonstrieren? »Es ist nie zu spät«, sagt er. »Wir werden auch nach der WM weiter demonstrieren, solange unsere Forderungen nicht erfüllt sind. Außerdem ist das Finale ja noch nicht gespielt.« Das denken auch seine Mitstreiter. Der Plan ist es während des Finales bis vors Stadion zu marschieren.</p>
<div id="attachment_518" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140713_048.jpg"><img class="size-large wp-image-518" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140713_048-1024x578.jpg" alt="Batman steht über den Dingen. Den Pokal hält er andersherum als Philipp Lahm kurz danach nur wenige Meter entfernt (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Batman steht über den Dingen. Den Pokal hält er andersherum als Philipp Lahm kurz danach nur wenige Meter entfernt (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Als sich die Demonstranten, darunter auch einige Favela-Bewohner, schließlich nach einiger Zeit in Bewegung setzen, kommen sie nicht weit. Die Polizei hat in allen zum Stadion führenden Straßen Sperren errichtet und schon im Vorhinein laut Fausto Mota rund 80 Protagonisten der Bewegung festgenommen. Mit Tränengas und weiteren Festnahmen sprengt sie auch diese letzte Demonstration. Auf der <span class="st">Praça Sáenz Peña</span> wird laut der Facebookseite der Veranstaltung eine große Gruppe von Demonstranten während des gesamten Spieles festgehalten. Das große Finale nebenan soll nicht gestört werden.</p>
<p><em>Weitere Hintergrundberichte rund um das Ende der WM, die Tage in Rio, den deutschen-brasilianischen Jubel und Brasiliens Zukunft folgen.</em></p>
<div id="attachment_517" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140715_048.jpg"><img class="size-large wp-image-517" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140715_048-1024x578.jpg" alt="Die Geschichte, die 2007 begann, ist zu Ende gegangen (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Die Geschichte, die 2007 begann, ist zu Ende gegangen (Bild: T. Zwior)</p></div>
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