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	<title>ecke:sócrates &#187; Fifa</title>
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	<description>Das Hintergrund-Journal zur WM 2014 in Brasilien</description>
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		<title>Die WM als Anregung zum Nachdenken</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jul 2014 00:12:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ganz Brasilien redet, diskutiert und streitet über die WM. Verhindert wurde sie trotz vieler Proteste im Vorjahr nicht mehr. Offen ist, welches Vermächtnis sie dem Land hinterlässt. ecke:sócrates hat mit denjenigen gesprochen, die das besonders betrifft: den aktuellen Schülern. (Porto...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ganz Brasilien redet, diskutiert und streitet über die WM. Verhindert wurde sie trotz vieler Proteste im Vorjahr nicht mehr. Offen ist, welches Vermächtnis sie dem Land hinterlässt. ecke:sócrates hat mit denjenigen gesprochen, die das besonders betrifft: den aktuellen Schülern.</em></p>
<p>(Porto Alegre)</p>
<p>In einem großen Klassenraum der Pastor Dohms Schule in Porto Alegre hat der Abschlussjahrgang heute Deutschunterricht. Die Schule ist eine Privatschule, eine der besseren der Stadt. Es ist der erste Ruhetag dieser Weltmeisterschaft, ein Tag ohne Fußball. »Das schlägt sich definitiv in den Anwesenheitszahlen nieder«, sagt Paula Paetzhold, die Deutschlehrerin. »Die WM ist eben eine Ausnahmesituation und ich kann verstehen, dass vielen Schülern die WM-Spiele momentan etwas wichtiger sind als die Deutschvokabeln.« Jetzt sei sie jedoch froh, dass heute alle Schüler da sind. Es ist eine besondere Unterrichtsstunde: Gemeinsam mit ecke:sócrates sollen die Schüler, die zwischen 16 und 17 Jahren alt sind, aus ihrer Perspektive über die WM sprechen– auf Deutsch. Hier sind einige der Antworten, die die Schüler, auf dieses Thema angesprochen, gegeben haben:</p>
<p><strong>Angelo:</strong> »Ich finde, dass die WM ein tolles Event ist, aber in Brasilien haben wir eigentlich so viele andere Dinge, die Priorität haben sollten. Die WM macht Spaß, aber es fehlen Schulen und Krankenhäuser. Es gibt weniger Leute, die protestieren, als im Vorjahr. Aber wir können jetzt eh nichts mehr ändern, denn die WM ist schon da.«</p>
<p><strong>Nina:</strong> »Ich bin gegen die WM. Ich weiß, dass es eine schöne Party ist, aber es gibt zu viele Negativpunkte. Die nächsten Weltmeisterschaften sind in Russland und Katar. Das ist sehr schlecht. Hier in Brasilien gibt es so viele Spannungen. Aber die FIFA denkt, dass das nicht ihre Probleme sind. Und, dass die Welt diese Probleme nicht sieht. Ich weiß, dass wir nicht mehr protestieren können, weil es zu spät ist, aber ich eigentlich müssten wir es gerade jetzt tun, damit unsere Probleme offensichtlich werden und um zu zeigen, dass die FIFA nicht alles mit uns machen kann.«</p>
<p><strong>Eduardo:</strong> »Die WM ist ein großartiges Ereignis. Wir sollten nicht gegen sie protestieren, aber gegen die Regierung schon. Sie hat sehr viel Geld von den Menschen genommen und der FIFA gegeben, zum Beispiel für die Stadien.«</p>
<div id="attachment_452" style="width: 970px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/6.jpg"><img class="size-full wp-image-452" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/6.jpg" alt="Nina, Matheus und Daniela diskutieren (Bild: P. Paetzhold)" width="960" height="720" /></a><p class="wp-caption-text">Nina, Matheus und Daniela diskutieren (Bild: P. Paetzhold)</p></div>
<p><strong>Matheus I.:</strong> »Wir wissen schon seit acht Jahren, dass die WM hier sein würde. Und wir haben nichts gemacht. Letztes Jahr haben wir zwar protestiert aber da war alles schon fast fertig. Unsere Regierung hatte schon alles organisiert. Bei den Protesten ging es um viele Dinge, die schlecht laufen im Land, zum Beispiel die Korruption. Ich war selbst einmal dabei und bin auch immer noch für diese Bewegung. Leider hätte sie eher beginnen müssen, als ein Jahr vorher. Ich finde es seltsam, dass die WM jetzt so eine Party ist. Ich verstehe nicht, wieso dieses Jahr auf einmal so viele Menschen für die Spiele sind.«</p>
<p><strong>Matheus II.:</strong> »Ich denke anders. Wir Brasilianer haben eine sehr schlechte Meinung über uns selbst. Wir denken schlechte Sachen über Brasilien. Aber es gibt viele positive Punkte, die wir nicht sehen wollen. Viele Ausländer sagen das. Wie zum Beispiel die Band »Scorpions«, die ein Lied darüber geschrieben hat. Natürlich gibt es Probleme, aber es ist nicht so schlecht wie wir denken.«</p>
<p><strong>Nicolas:</strong> »Ich denke auch, dass die WM eine gute Sache ist. Wir sollten sie mit der Rugby-WM in Südafrika vergleichen. Dort machte die WM die Menschen stärker, vor allem im Kampf gegen Rassismus. Wir sollten es hier so machen wie in Südafrika. Dann könnten wir uns gemeinsam gegen die Probleme mit dem System auflehnen. Nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegen das politische System. Unsere Generation könnte diese Probleme lösen.«</p>
<div id="attachment_456" style="width: 970px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/12.jpg"><img class="size-full wp-image-456" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/12.jpg" alt="Lehrerin Paula Paetzhold mit Nicolas und Eduardo. Das Deutsch-Wörterbuch bleibt während der gesamten Schulstunde unangetastet. (Bild: privat)" width="960" height="720" /></a><p class="wp-caption-text">Lehrerin Paula Paetzhold mit Nicolas und Eduardo. Das Deutsch-Wörterbuch bleibt während der gesamten Schulstunde unangetastet. (Bild: privat)</p></div>
<p><strong>Nina: </strong>Die WM passiert und die Stadien sind nicht voll. Der Stadionsprecher sagt uns nicht die korrekte Zahl der Personen, die im Stadien sind. Aber wir sehen im Fernsehen, dass die Stadien nicht voll sind. Die Tickets sind zu teuer. Ich möchte zu einem Spiel gehen, aber das geht nicht. In Südafrika gab es Tickets für Kinder, was sehr schön war. Das gab es hier nicht oder nur sehr wenig.</p>
<p><strong>Angelo:</strong> Aber es gibt viele öffentliche Schulen, die Tickets bekommen haben, zum Beispiel die meiner Mutter, die dort als Lehrerin arbeitet. Da konnten 20 Schüler im Stadion das Spiel Frankreich gegen Honduras sehen.</p>
<p><strong>Daniela:</strong> »Ich finde, dass die WM eine große und schöne Party ist. Hier in Brasilien kommen Leute zusammen, die ein gutes Gefühl von ihrem Land haben. Und die Probleme, die wir hier haben nichts mit der FIFA oder der WM zu tun, sondern mit der Regierung. Die sollte besser investieren in öffentliche Schulen und Krankenhäuser. Ich kenne viele Schüler, die es nicht so gut haben wie wir hier. Insgesamt denke ich, dass die WM eine sehr gute Möglichkeit ist für die Leute, solche Probleme zu reflektieren und mehr über das Land nachzudenken. Ich persönlich genieße es sehr, dass so viele Ausländer in der Stadt sind, Holländer, Argentinier, Franzosen, Deutsche, mit denen wir gemeinsam feiern können.«</p>
<div id="attachment_454" style="width: 970px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/9.jpg"><img class="size-full wp-image-454" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/9.jpg" alt="Für Daniela ist die WM ein Grund zum Nachdenken. Das schließe aber das Feiern mit den holländischen Fans nicht aus (Bild: privat)" width="960" height="720" /></a><p class="wp-caption-text">Für Daniela ist die WM ein Grund zum Nachdenken. Das schließe aber das Feiern mit den holländischen Fans nicht aus (Bild: privat)</p></div>
<p><strong>Nicolas:</strong> »Genau, ich habe zum Beispiel am Orange Square viele Holländer kennengelernt. Ich habe rausgefunden, dass Holländisch ein bisschen wie Deutsch ist. Auch die Nigerianer kennenzulernen war super, weil es eine komplett andere Kultur ist. Selbst die Argentinier, gegen die wir in Brasilien viele Vorurteile haben, sind nette Menschen und haben die Stadt nicht verwüstet, wie vorher befürchtet.«</p>
<p><strong>Matheus II.</strong>: »Trotz aller Probleme: Das Gefühl, wenn Brasilien ein Tor schießt und wir zusammen jubeln – das genieße ich am meisten!«</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_450" style="width: 970px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/2.jpg"><img class="size-full wp-image-450" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/2.jpg" alt="Die Gruppendiskussion im Klassenraum (Bild: privat)" width="960" height="720" /></a><p class="wp-caption-text">Die Gruppendiskussion im Klassenraum (Bild: privat)</p></div>
<p>Es klingelt zur Pause. Die Schüler haben jetzt Physikunterricht, verlassen den Klassenraum aber nur zögerlich. Sie könnten noch viel mehr über ihre WM-Erfahrungen berichten und über die Kontroversen diskutieren. Die WM ist ein Ereignis, das sich in der Erinnerung der heranwachsenden brasilianischen Generation fest verankern wird. Ein Ereignis, das viele Menschen schon in sehr jungen Jahren politisiert hat. Ob und wie sie das Land langfristig verändern wird, liegt in der Hand von Schülern wie Angelo, Nina oder Matheus.</p>
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		<title>»Die FIFA macht so den Sport kaputt«</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Jul 2014 04:42:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[fußball:ecke]]></category>
		<category><![CDATA[hintergrund:ecke]]></category>
		<category><![CDATA[Boykott]]></category>
		<category><![CDATA[Fanclub Nationalmannschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Monopol]]></category>
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		<description><![CDATA[Spätestens seit dem Spiel gegen Ghana stehen viele deutsche Fans in Brasilien mit der FIFA auf Kriegsfuß. Auch während des Achtelfinales gegen Algerien kam es wieder zu Konfrontationen mit FIFA-Ordnern. ecke:sócrates hat mit Tom Roeder, Gründer der Facebookseite »FIFA es...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Spätestens seit dem Spiel gegen Ghana stehen viele deutsche Fans in Brasilien <a href="http://www.fr-online.de/wm-2014-in-brasilien/deutschland---ghana--fifa-raus-,17059760,27568826.html">mit der FIFA auf Kriegsfuß</a>. Auch während des Achtelfinales gegen Algerien kam es wieder zu Konfrontationen mit FIFA-Ordnern. ecke:sócrates hat mit Tom Roeder, Gründer der Facebookseite »FIFA es reicht« über den Konflikt und seine bisherigen WM-Erfahrungen gesprochen.</em></p>
<p>(Porto Alegre)</p>
<p>Tom Roeder, 37, links im Bild, ist Fanclubbetreuer beim Fanclub Nationalmannschaft und dort für die »Sektion Rheinland« zuständig. Er betreut ehrenamtlich mehrere tausend Fans und organisiert Reisen zu jedem Länderspiel der Nationalelf. Bei den letzten fünf großen Turnieren war er selbst mit dabei.</p>
<p><strong>ecke:</strong> Tom, du bist ehrenamtlicher Fanclubbetreuer. Wie viele Arbeitsstunden gehen dafür in deiner Freizeit drauf?</p>
<p><strong>Tom Roeder:</strong> In den letzten zwölf Monaten kamen da schon gut 1000 Arbeitsstunden zusammen, also hochgerechnet rund drei Stunden pro Tag. Das lag natürlich auch an der WM in Brasilien.</p>
<p><strong>ecke:</strong> Du bist seit Anfang der WM in Brasilien: Wie gefällt dir das Land als Gastgeber bis jetzt?</p>
<p><strong>Roeder:</strong> Das Land ist schön, aber sehr arm. Das habe ich so nicht erwartet. Es ist vielfältig und interessant. Die Menschen sind freundlich.</p>
<p><strong>ecke:</strong> Vor einigen Tagen hast du die Facebook-Seite <a href="https://www.facebook.com/FIFAesreicht?fref=ts">»FIFA es reicht</a>« gegründet: Was führte dazu?</p>
<p><strong>Roeder:</strong> Die Seite habe ich im Zuge der WM-Spiele erstellt, weil die FIFA mehr und mehr in Belange der Fans eingreift unter dem Sicherheitsaspekt Regeln erstellt, die übertrieben sind. Keine Fahnen im Stadion an der Bande. Keine Trommel oder andere landestypischen Gegenstände sind erlaubt. Die FIFA macht so den Sport kaputt. Jetzt versuche ich, so viele Follower wie möglich zu sammeln, um darauf aufmerksam zu machen und eventuell irgendwann auch Aktionen zu starten, die Probleme anzusprechen und hörbar zu machen.</p>
<div id="attachment_427" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140630_049.jpg"><img class="size-large wp-image-427" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140630_049-1024x578.jpg" alt="Deutscher Fan muss vor dem Stadion in Porto Alegre seine selbstgemalte Flagge (»Miro Klose - 16 Tore«) abgeben (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Deutscher Fan muss vor dem Stadion in Porto Alegre sein selbstgemaltes Banner (»Miro Klose &#8211; 16 Tore«) abgeben (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p><strong>ecke:</strong> Was sind deine Hauptkritikpunkte an der Fifa allgemein und vor allem während der WM?</p>
<p><strong>Roeder:</strong> Während der WM ist es vor allem das Verbot der Trommeln und Fahnen. Aber auch, dass die FIFA rund um Stadien und Spielorte verbietet, dass nicht lizensierte Produkte verkauft werden. Seien es Getränke, Essen oder einfach kleine fliegende Händler. Die FIFA will das Monopol auf alles und verdient damit Geld. Geld, das dem jeweiligen Land zusteht.</p>
<p><strong>ecke:</strong> Am Freitag spielt die Nationalmannschaft im Maracanã-Stadio in Rio gegen Frankreich. So lange das Team im Turnier bleibt, bist auch du vor Ort. Welche Aktionen planst du noch für den Rest der WM?</p>
<p><strong>Roeder:</strong> Geplant sind noch diverse Ausflüge, um die Umgebung und das Land besser kennen zu lernen. Bezüglich der WM habe ich meine Reisegruppe aufgefordert, keine FIFA Produkte zu kaufen. Der Großteil der Gruppe fand diese Idee sehr gut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Eine deutsche Komödie</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Jul 2014 06:10:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[fußball:ecke]]></category>
		<category><![CDATA[Algerien]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Estadio Beira-Rio]]></category>
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		<category><![CDATA[Hausmeister Krause]]></category>
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		<description><![CDATA[Eigentlich ist es die Grundidee des Hintergrund-Journals ecke:sócrates während der WM in Brasilien auf Themensuche vor, hinter und neben, aber vor allem außerhalb der Stadien zu gehen. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Wie es dazu kam: Ein persönlicher Erfahrungsbericht. (Porto...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eigentlich ist es die Grundidee des Hintergrund-Journals ecke:sócrates während der WM in Brasilien auf Themensuche vor, hinter und neben, aber vor allem außerhalb der Stadien zu gehen. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Wie es dazu kam: Ein persönlicher Erfahrungsbericht.</em></p>
<p>(Porto Alegre)</p>
<p>Bisher habe ich die WM am Rande des fußballerischen Geschehens verfolgt. Ich war abseits der Stadien unterwegs, auf der Suche nach brasilianischen Gesprächspartnern, die mir spannende Geschichten erzählten und mir erklärten, welchen Einfluss die WM auf ihr Land hat. Natürlich hat der Fußball meinen Weg hier und da gestreift, das ist bei der Sympathie, die ich für diesen Sport seit über zwanzig Jahren hege, auch nicht zu vermeiden. Und das möchte ich auch gar nicht vermeiden. Allerdings ist mir in den vier Wochen, die ich inzwischen in Brasilien bin, in vielen Gesprächen klargeworden, dass ich diese WM differenzierter betrachten muss.</p>
<p>Vor der Reise nach Brasilien wäre es für mich das Nonplusultra gewesen, einmal ein WM-Spiel live im Stadion mitzuerleben. Nach meinen bisherigen Erlebnissen dachte ich anders. Warum sollte ausgerechnet ich, als im Vergleich zur Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung reicher »Gringo«, mir im Stadion ein Spiel anschauen, wo dies doch der große Traum so vieler Brasilianer ist. Brasilianer, die ich tagtäglich auf der Straße sehe, mit denen ich teilweise befreundet bin und die sich niemals solch ein WM-Ticket leisten könnten. Warum sollte ich die Organisation Fifa, deren Puzzle in meinem Kopf sich in den letzten Wochen um so manches dunkles Teil ergänzt hat, durch mein Geld unterstützen? Die Spiele würde ich mir weiteranschauen, aber es gab für mich keinen Grund mehr ins Stadion zu gehen.</p>
<p>Diese Gedanken kreisten noch am Morgen des 30. Juni zum wiederholten Male in meinem Kopf. Dann stehe ich plötzlich auf diesem Marktplatz in Porto Alegre und sehe nicht richtig: Vier Wochen lang habe ich mit Brasilianern zusammengelebt, hauptsächlich Portugiesisch gesprochen, die brasilianische Musik liebgewonnen. Und dann umringen mich auf einmal Hunderte von Deutschen, sprechen bayrisch, schwäbisch, fränkisch und norddeutsch. Auf einer improvisierten Bühne läuft Oktoberfestmusik: »Und jetzt die Hände zum Himmel…«</p>
<div id="attachment_423" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140630_011.jpg"><img class="size-large wp-image-423" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140630_011-1024x578.jpg" alt="Verkehrte Welt: Oktoberfeststimmung in Brasilien (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Verkehrte Welt: Oktoberfeststimmung in Brasilien (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Ich kann mir im Nachhinein nicht erklären wieso, aber mein erster Impuls ist es, mich nicht zu erkennen zu geben. Ich bin mit brasilianischen Freunden dort, wir haben gerade ein Bier geöffnet. Doch dann blicke ich an mir herunter und sehe unter meine Regenjacke das Grün-Weiß meiner Deutschland-Trainingsjacke aufblitzen. Aus irgendeinem Grund muss ich die ja angezogen haben. Es dauert nicht lange, schon komme ich mit mehreren Deutschen ins Gespräch. Und plötzlich genieße ich es. Es tut gut, nach insgesamt sechs Monaten im Ausland, nicht nur am Telefon, sondern im Umkreis von 50 Metern um mich herum nur meine Muttersprache zu hören. Wieder zu einhundert Prozent präzise das sagen zu können, was ich auch sagen möchte. Die Stimmung ist gut, ich freue mich auf das Spiel gegen Algerien.</p>
<p>Einige Minuten später unterhalte ich mich mit Fans des »FanClub Nationalmannschaft«. Aus einer Laune heraus frage ich sie, ob sie nicht zufällig noch ein Ticket für das Spiel übrig hätten. »Dreh dich mal um«, antwortet einer von ihnen. Ich drehe mich um und sehe einen Mann mit grüner Kapuzenjacke und Rucksack grinsend vor mir stehen. »Wie viele Tickets brauchst du?«, fragt er. »Nur eins«, antworte ich völlig perplex. »Kein Problem«, sagt er. »Verkaufe ich dir zum Originalpreis.« Spätestens jetzt bin ich fassungslos. Und willige ein. Es geht alles sehr schnell.</p>
<p>Wie in Trance gehe ich zur nächsten Bank, um das Geld für das Ticket abzuheben. Auf dem Weg dorthin blitzen die ersten Gewissensbisse auf. Doch dann schiebe ich die Kreditkarte in den Schlitz. Wie so häufig an brasilianischen Geldautomaten spuckt die Maschine beim ersten Versuch keine Scheine aus. Was will mir die Maschine damit sagen, ist das vielleicht ein Zeichen? Mit zittrigen Fingern versuche ich es ein zweites Mal. Mir fallen die Interviews ein, die ich diversen Medien über ecke:sócrates gegeben habe und darüber, dass ich während der WM nicht im Stadion sein werde. Der Automat braucht lange. »Wenn es jetzt wieder nicht funktioniert, dann soll es halt nicht sein«, denke ich mir, schon halb erleichtert. Doch dann kündigen sich durch ein ratterndes Signal die ersten Geldscheine an. Als ich sie in der Hand halte, weiß ich, dass es kein Zurück mehr gibt.</p>
<p>Spätestens jetzt werde ich vollends in die deutsche Blase gesogen, die sich zwei Stunden vor dem Spiel zu Fuß auf den Weg zum Stadion macht. Aus einer der Hauptstraßen Porto Alegres ist zu diesem Anlass der so genannte »Caminho do Gol« geworden. Eigentlich war hier für 13 Uhr eine Demonstration gegen die WM angekündigt, die der eigentliche Grund für meinen Besuch des Marktplatzes war. Doch von der ist nichts zu sehen. Stattdessen strömt jetzt eine Art feiernder Karnevalszug in Richtung des »Estadio Beira-Rio«, des Stadions am Fluss.</p>
<div id="attachment_425" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140630_025.jpg"><img class="size-large wp-image-425" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140630_025-1024x578.jpg" alt="Vier Kilometer zu Fuß bis zum Stadion: Der Caminho do Gol (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Vier Kilometer zu Fuß bis zum Stadion: Der Caminho do Gol (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Diejenigen Brasilianer, die den Zug begleiten, haben sich ebenfalls Deutschland-Trikots angezogen oder sich die Wangen schwarzrotgold eingefärbt. Viele Menschen in Porto Alegre wollen Teil des Spektakels sein. Porto Alegre ist keine Touristenstadt wie Rio de Janeiro und liegt nicht am Strand wie Salvador oder Fortaleza. Hier herrscht im Winter tatsächlich Winter. Ein junger Mann namens Juliano erzählt mir, dass ich erst die zweite ausländische Person sei, mit der er sein Schulenglisch trainieren könne. »Es gibt hier in der Stadt wenig Austausch. Viele Bürger Porto Alegres waren noch nie im Ausland und es kommen außer vereinzelten Argentiniern und Uruguayern auch wenige Ausländer in die Stadt«, sagt er. Die Stadt empfängt selten Gäste und möchte daher ein umso besserer Gastgeber sein.</p>
<p><iframe width="640" height="480" src="http://www.youtube.com/embed/l7-Ho57y4nE?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Im Stadion an sich herrscht zu Beginn eine ausgelassene Stimmung, allerdings durchzogen von vehementen »Fifa raus«-Rufen der deutschen Fans. Seit dem Verbot einiger Banner während des Ghana-Spiels stehen sie mit dem Weltverband auf Kriegsfuß. Auch während dieses Spiels geraten sie wegen Fifa-kritischer Flaggen wieder mit den Ordnern aneinander. Hierzu berichtet ecke:sócrates demnächst ausführlicher.</p>
<div id="attachment_429" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140630_112.jpg"><img class="size-large wp-image-429" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/07/WP_20140630_112-1024x578.jpg" alt="Gegen die Fifa und Blatter, für den Fußball: Deutsche Fans im Stadion (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Gegen die Fifa und Blatter, für den Fußball: Deutsche Fans im Stadion (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Das Spiel selbst trägt eher komödiantische Züge. Nicht nur wegen Thomas Müllers Slapstick-Freistoßeinlage, sondern auch wegen eines gewissen Tom Gerhardt, besser bekannt als »Hausmeister Krause«, der im Stadion auch in dieser Rolle neben mir steht und fußballanalytische Kommentare zum Besten gibt. Seine Frau ist Brasilianerin und er daher mehrmals im Jahr in Brasilien. Das Deutschland-Spiel lässt er sich nicht entgehen, auch wenn er in der zweiten Halbzeit für rund 20 Minuten in den Stadienkatakomben verschwindet. Verpasst hat er bekanntlich nichts.</p>
<p><iframe width="640" height="480" src="http://www.youtube.com/embed/oOmMCrIrstI?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Nach dem Spiel sind die deutschen Fans erleichtert. »Das ist gerade nochmal gut gegangen. Gegen Frankreich müssen wir uns steigern.« Dann werden aber auch schon die ersten Gesänge angestimmt: »Wir haben Heimspiel in Rio…« Trotz aller Bedenken im Vorhinein, die ich auch weiterhin in mir trage: Ich bin froh dabeigewesen zu sein.</p>
<p>Als ich dann später mit meiner sechsköpfigen brasilianischen Gastfamilie und einigen ihrer Freunde zu Abend esse, kommt mir dieser deutsche Nachmittag vor wie ein kurzer Tagtraum. Ich bin wieder in Brasilien.</p>
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		<title>Von Nummer zu Nummer</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jun 2014 03:03:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[hintergrund:ecke]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Horizonte]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschäft]]></category>
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		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
		<category><![CDATA[Restaurants]]></category>

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		<description><![CDATA[Bislang lief das WM-Geschäft für das Restaurant Mineirinha in Belo Horizonte hervorragend. Bis zu dem Tag, an dem Argentinien gegen den Iran spielte. (Belo Horizonte) Etwas verloren steht Mariana Lessa Ladeira in dem großen Raum. Er ist komplett gelb-grün dekoriert...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Bislang lief das WM-Geschäft für das Restaurant Mineirinha in Belo Horizonte hervorragend. Bis zu dem Tag, an dem Argentinien gegen den Iran spielte.</em></p>
<p>(Belo Horizonte)</p>
<p>Etwas verloren steht Mariana Lessa Ladeira in dem großen Raum. Er ist komplett gelb-grün dekoriert und die zwei Flatscreenfernseher an der Wand warten darauf, Marianas Gästen feinsten WM-Fußball zeigen zu können. Solch einen Raum zu besitzen, darauf hat die blondierte Enddreißigerin lange hingearbeitet. Einen Großteil ihres Arbeitslebens hatte sie als Hotelbedienstete und Kellnerin in den USA und Europa geschuftet. Vor einigen Jahren kehrte sie dann endlich in ihr Heimatland Brasilien zurück, um dort mit ihrem Partner und den gesamten Ersparnissen ein Restaurant aufzubauen.</p>
<p>»Mineirinha« heißt es – und steht nur hundert Meter vom Estádio Mineirão in Belo Horizonte entfernt. Wenn auch in den Anfangsjahren auf wackeligen Beinen. Die WM 2014 soll ihrem Geschäft einen ordentlichen Schwung geben, von den Sondereinnahmen möchte sie längst überfällige Investitionen tätigen. Das ist seit Monaten Marinas einziges Ziel.</p>
<p>Die ersten Wochen der WM lief alles nach Plan. Vor allem an den Tagen, an denen nebenan im Mineirão gespielt wurde, herrschte vor und nach dem Spiel Hochbetrieb. Insgesamt sechs WM-Spiele finden in Belo Horizonte statt, darunter eines der Halbfinals. Zahltage für Mariana und ihre Mitarbeiter.</p>
<p>Doch vergangenen Samstag, nach dem Spiel Argentinien gegen den Iran, ist auf einmal alles anders: »Schon während das Spiel noch lief, hat die Polizei auf einmal die Hälfte der Zufahrtsstraße zum Stadion gesperrt. Ausgerechnet den Teil, in dem unser Restaurant steht. Und das ohne Vorankündigung.« Nach dem Spiel konnte sich daher kein einziger der aus dem Stadion herausströmenden Zuschauer den Weg zum Mineirinha bahnen. Dabei wären vor allem die nach Messis Last-Minute-Siegtor bierdurstigen Argentinier eine hervorragende Kundschaft gewesen. Das Restaurant blieb, bis auf ein paar Anwohner, leer.</p>
<div id="attachment_393" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altArYYC_w0XW_wG24MLjzXYFMCQC4VBQYfJ9HP9zeSJJ2Z.jpg"><img class="wp-image-393 size-full" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altArYYC_w0XW_wG24MLjzXYFMCQC4VBQYfJ9HP9zeSJJ2Z.jpg" alt="Die Absperrung: Argentinische und iranische Fans kommen nicht daran vorbei (Bild: privat)" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Die Absperrung: argentinische und iranische Fans kommen nicht daran vorbei (Bild: privat)</p></div>
<p>Lucas, ein Mitarbeiter, der am Samstag dabei war, versteht nicht, warum die Aktion nicht wenigstens vorher angekündigt wurde: »Dann hätten wir niemals so viel investiert. Wir haben sogar diesmal extra den Parkplatz zum Biergarten umfunktioniert, um noch mehr Menschen bedienen zu können. Stattdessen standen wir bloß herum und sahen wie die Fans die Bars auf der anderen Seite der Absperrung bevölkerten.«</p>
<p>Der Vorfall ist ein Mysterium, das Mariana heute, zwei Tage später, immer noch nicht aufgeklärt hat. »Ich telefoniere schon seit früh morgens mit den lokalen Behörden, mit der Polizei, mit der Fifa«, sagt Mariana. »Keiner nennt mir eine Begründung, keiner will dafür verantwortlich sein. Die Fifa beschuldigt die Polizei, die Polizei die Behörden. Und die wiederum die Fifa.«</p>
<p>Polizisten und Fifa-Mitarbeiter im Stadionbereich wollten oder konnten auf Nachfrage von ecke:sócrates nichts zu dem Vorfall sagen.</p>
<div id="attachment_392" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altAo3xZgtoSzBKKpksv3UkDCc74yMqtE5AUhDzCrBg05YW.jpg"><img class="size-full wp-image-392" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altAo3xZgtoSzBKKpksv3UkDCc74yMqtE5AUhDzCrBg05YW.jpg" alt="Tatenlos: Die Mitarbeiter des Mineirinha am letzten Samstag (Bild: privat)" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Tatenlos: Die Mitarbeiter des Mineirinha am letzten Samstag (Bild: privat)</p></div>
<p>Mariana ist verbittert. Auch die Kommunikation im Vorfeld der WM sei alles andere als ideal verlaufen. Es habe noch nicht einmal eine Informationsveranstaltung gegeben, weder für die lokalen Geschäfte noch für die Anwohner des Stadions. Und wenigstens die sollten doch Bescheid wissen. Schließlich werde die Region rund um das Stadion an Spieltagen stets für mehrere Stunden großflächig abgesperrt.</p>
<p>Lucas ergänzt: »Es gibt einfach keinen festen Plan, wer für was zuständig und verantwortlich ist. Mal ist es ein Fifa-Mitarbeiter, mal ein Polizist. An manchen Tagen kommt es vor, dass selbst wir Restaurant-Mitarbeiter trotz unseres Ausweises nicht in die Stadionzone gelassen werden. Dann muss die Chefin uns extra abholen.«</p>
<p>Letztere hat in diesem Moment noch weitere Sorgen. Schon morgen findet das nächste Spiel in Belo Horizonte statt, Costa Rica gegen England. Und Mariana weiß bis jetzt immer noch nicht Bescheid, ob ihr Teil der Straße wieder abgesperrt werden wird. »Ich muss das aber jetzt wissen. Ich muss das Essen einkaufen, die Mitarbeiter einplanen. Einen weiteren Verlust dieses Ausmaßes kann ich mir nicht leisten.« In selben Moment klingelt ihr Handy und sie geht hastig dran. Als sie auflegt, rollt sie mit den Augen: »Wieder eine neue Telefonnummer. Schon den ganzen Tag werde ich von Nummer zu Nummer weitergereicht.«</p>
<p>Dann muss Mariana weiterarbeiten. Es gibt trotz der Ungewissheit für morgen noch viel zu tun. Im Gehen wird sie noch ein paar enttäuschte Schlussworte los: »Es ist schon traurig. Wir zahlen unsere Steuern und tun alles dafür, ein guter Gastgeber zu sein. Damit wir stolz auf Brasilien zu sein können. Doch weder die Fifa, noch die Regierung kümmern sich um uns, um die lokale Wirtschaft. Die leben in ihrer eigenen Welt. Ungefähr 50 Meter von hier entfernt.«</p>
<div id="attachment_391" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altAi3ywsy-HNLOBxiSza5MS9IKzSF_c-pdVHaCXvIIND_.jpg"><img class="size-full wp-image-391" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/altAi3ywsy-HNLOBxiSza5MS9IKzSF_c-pdVHaCXvIIND_.jpg" alt="So sieht es an einem gewöhnlichen Spieltag im Außenbereich des Mineirinha aus (Bild: privat)" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">So sieht es an einem gewöhnlichen Spieltag im Außenbereich des Mineirinha aus (Bild: privat)</p></div>
<p>Spät am Abend desselben Tages verschickt Mariana noch eine letzte SMS: »Habe den ganzen Rest des Tages telefoniert und gerade doch noch eine positive Rückmeldung für morgen bekommen. Ich hoffe nur, dass es auch wirklich klappt…«</p>
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		<title>As Acomodações do Futebol</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jun 2014 10:33:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[internationale:ecke]]></category>
		<category><![CDATA[Copa do Mundo]]></category>
		<category><![CDATA[Fifa]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit of Football]]></category>

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				<content:encoded><![CDATA[<p><em>A mídia Alemã nunca antes havia comentado tanto sobre o Brasil ser um país de antagonismos como nas últimas semanas. O país está em contradição por ser tradicionalmente apaixonado pelo futebol e sentindo-se desapontado antes mesmo do começo da »Copa das Copas«. O simples jogo de futebol, do qual o Brasil é fortemente associado, marca um cruel contraste com o show fortemente comercializado que a FIFA e seus patrocinadores apresentarão durante as próximas seis semanas. </em><em>ecke:sócrates está no Brasil e vivenciou contradições desse mesmo tipo em apenas um dia. </em></p>
<p>(São Paulo)</p>
<p>Apenas algumas centenas de quilômetros da Arena Corinthians, o lugar onde vai soar o primeiro apito da Copa do mundo essa quinta-feira, é feita uma curta missão de reconhecimento antes de a pelada começar.O campo de terra batida tem algumas moitas de grama, um muro colorido de um lado e uma cerca do outro que marcam seus limites, e uma solitária bandeira do Brasil observa os eventos do alto de uma das chaminés dos arranha-céus vizinhos. São dez horas da manhã, três meninos, Vinicius, Rai e Pedro, chegam ao campo e imediatamente começam a chutar a bola para dentro das redes imaginárias.</p>
<p>É uma bola especial. Andrew Aris, um homem alto da Nova Zelândia do tipo »viageiro« com cabelo comprido e uma discreta barbicha trouxe-a com ele. Ele trabalha para a ONG »Spirit of Football«, cujos criadores viajaram pelo mundo com uma bola de futebol de cada antes das últimas Copas do Mundo e tiveram-nas assinada por todos que cruzaram seus caminhos. A bola desse ano passou por diversos países europeus e do continente americano antes de retornar as suas origens um pouco antes da Copa do Mundo.</p>
<p>Além disso, algumas das grandes estrelas do futebol como Dani Alves, Mats Hummels e o jogador Uruguaio que fez o gol ganhador do último Mundial no Brasil em 1950, Alcides Ghiggia, também a assinaram. »A bola é como a Tocha Olímpica«, disse Andrew, »É um símbolo para o processo de união do mundo«. »Uma bola, um mundo« é o lema da organização. Ao longo dessa jornada, se organizam jogos de futebol e oficinas, nos quais se propõe especialmente aos jovens reflexões sobre fairplay e espírito de equipe.</p>
<p>Não leva muito tempo até que a bola, com marcas de sua jornada de seis meses e milhares de assinaturas, vire objetivo de uma partida rápida entre Andrew, seus dois conhecidos e os três adolescentes brasileiros. Após a partida, sentado e um pouco exausto em um lado do campo, Vinicius, de 16 anos, conta sua história enquanto uma garrafa de água passa pelo grupo.</p>
<p>Ele é do distrito de Itaquera e pertence a uma das famílias cujas casas tiveram que abrir espaço para o novo estádio. O garoto, portanto, teria todas as razões para amaldiçoar a Copa do Mundo, mas ele simplesmente não consegue »Eu amo futebol e jogo desde muito pequeno. Não posso imaginar nada maior que a Copa do Mundo na frente da minha porta«. Como se quisesse dar uma prova disso, mais tarde Vinicius mostra várias camisas de futebol e aponta para os horários das partidas da Copa do Mundo na parede do seu novo quarto. Talvez sua tranquilidade também tenha a ver com o fato de que a nova casa que foi concedida a sua família está localizada no mesmo distrito onde eles viviam antes – uma feliz coincidência, já que nem todas as famílias que foram realocadas devido à pressão da FIFA tiveram a mesma sorte.</p>
<p>Andrew em contrapartida estudou em Erfurt e foi funcionário da FIFA durante a Copa do Mundo de 2006. Hoje, contudo, ele não pensa bem a respeito de seu ex-empregador. »Quanto mais escuto sobre o envolvimento da FIFA no Brasil, mais irritado eu fico«, diz ele. »A FIFA chega ao país, faz uma fortuna em algumas semanas e sai imediatamente depois. O que será deixados são problemas. Eles só fingem ser algo e iniciam truques de marketing social, mas na verdade não se envolvem em nenhuma abordagem sustentável. Ao mesmo tempo, poderiam ser feitos grandes projetos para os estádios, como por exemplo, transformá-los em centro culturais.«</p>
<p>As pessoas que Andrew está criticando e que são responsáveis pelo deslocamento da família de Vinicius estão hoje na mesma cidade, apenas alguns quilômetros dali. A poeira começou quando um comboio de motocicletas chegou em frente ao Hotel Grand Hyatt – localizado no distrito de Morumbi. O comboio escoltava um SUV preto com janelas escuras, exibindo o logotipo da FIFA e a placa »001”«. “A agenda do senhor Blatter é conhecida apenas por seu funcionário mais próximo”, diz a recepcionista.</p>
<p>Logo antes do começo do congresso da FIFA e da Copa do Mundo, a organização vem enfrentando uma pressão sem precedentes. A FIFA tem sido diariamente criticada a respeito dos Mundiais no Brasil e no Qatar, e também sérios desentendimentos internos surgiram. Nessa noite, entretanto, a organização pareceu não ter problemas pelos sinais negativos. É uma grande festa que consiste de muitos apertos de mão e largos sorrisos por todos os lados. As pessoas aproveitam seus tragos no bar do hotel enquanto uma mulher de mais ou menos 35 anos – calçando atraentes sapatos de salto e uma jaqueta de tecido leopardo – é discretamente escoltada até o elevador por um empregado do hotel. Mais tarde nessa noite, o secretário geral Jerome Valcke sabiamente passa pela multidão que se encontra na portaria do hotel – acompanhado por palmadinhas nas costas de agradecimento – com um sorriso vencedor. A FIFA chegou segura ao Brasil, e eles entram na Copa do Mundo em alta – mantendo assim o jargão do futebol.</p>
<p>A contradição no Brasil pode ser notada em apenas um dia. Um garoto de uma comunidade local ao redor do estádio foi deslocado, mas ainda mal pode esperar para que comece a Copa do Mundo. Um ex-funcionário da FIFA está agora tentando encontrar o verdadeiro espírito do futebol por meio de um projeto que promove mudança social através do futebol. E um campo de futebol esburacado fica apenas alguns quilômetros da portaria de mármore do hotel. Ambos os lugares acomodam o futebol – cada um de sua maneira.</p>
<p>Tradução: TANISE CERON</p>
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		<title>The Accomodations of Football</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jun 2014 00:03:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fifa]]></category>
		<category><![CDATA[Relocating]]></category>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Seldom before German media spoke as often about Brazil being a country of antagonisms as during the past weeks. Being torn between an almost traditional passion for football and the paralyzing disenchantment already before the beginning of the »Copa da Copas«. The sheer, pure game of football, which Brazil is being so strongly associated with, marks a stark contrast to the highly commercialized show that FIFA and its sponsors will stage during the next six weeks. ecke:sócrates is on site in Brazil and experienced contradictions of this very kind during just one day. </i></p>
<p>(São Paulo)</p>
<p>Just a few hundred meters straight-line distance away from Corinthians Arena, the place, where the World Cup’s starting whistle will go off this Thursday, a little reccy offers itself for a kick-about. Its steppe-like pitch is sprinkled with clumps of grass, a colourfully painted wall on the one and a fence on the other side constitute its boundaries, and a lonesome Brazilian flag observes the events from atop a chimney of one of the neighbouring skyscrapers. It is ten o’clock in the morning and three boys, Vinicius, Rai and Pedro storm the field and begin immediately to slam the ball into the non-existing goal nets.</p>
<p>It is a special ball. Andrew Aris, a tall guy from New Zealand of the type »globetrotter« with long hair and a discreet chin beard brought it with him. He works for the charity »Spirit of Football«, whose founding fathers travelled the globe with one football each already before the last World Cups and had it signed by everyone who came across their way. This year’s ball had passed several European countries and others on the entire American continent before it returned to its origin shortly before the World Cup.</p>
<p>Also some of the biggest stars in the enterprise like Dani Alves, Mats Hummels and the scorer of the Uruguayan victory goal during the last World Cup in Brazil in 1950, Alcides Ghiggia, added their signature. »The Ball is like the Olympic Torch«, says Andrew. »It is a symbol for the merging process of the world.« »One Ball, one World« is the organization’s motto. Alongside the Ball’s journey it holds games and workshops, in which especially the youth shall be enabled to appreciate the thoughts of fairplay and team spirit.</p>
<p>It does not take a long time until the Ball, which is marked by its six-month journey and thousands of signatures, finds itself the object of a rapid match between Andrew and its two acquaintances and the three Brazilian adolescents. After the match has ended, sitting quite exhausted on the side of the pitch, the 16-year old Vinicius tells his story while a water bottle makes its round.</p>
<p>He is from the district of Itaquera and belongs to one of the families whose homes had to make way for the new stadium. He, therefore, would have all reasons to curse the World Cup, but he is just not able to do so: »I love football and play the game since I was a little boy. I cannot imagine anything bigger than a World Cup right in front of my door step.« As if he wants to give proof of this, he later proudly shows off several football jerseys and points to the World Cup’s match schedule on the wall of his new room. Maybe his lack of anger also has got to do with the fact that the new home that his family was granted is being located in the same district where they had lived before  &#8211; a lucky coincidence not all families, who were re-settled due to FIFA’s pressure were able to enjoy.</p>
<p>Andrew on the other hand has studied in Erfurt and had been a FIFA employee during the 2006 World Cup. Today, however, he cannot get anything out of his former employer. »The more I learn about FIFA´s involvement in Brazil, the angrier I get«, he says. »FIFA arrives in a country, makes a fortune for a couple of weeks and leaves immediately after. What will be left are problems. They only pay lip services and initiate social marketing tricks, but do not engage in any sustainable approach. At the same time you could do great things with the stadiums e.g. transforming them into cultural centers.«</p>
<p>The people Andrew is criticizing and who are responsible for the displacement of the Vinicius family, are located today in the same city, just a few kilometers away. The dusk has begun when a convoy of motorcycles turns up in front of the Grand Hyatt Hotel – located in the Morumbi district. The convoy is followed by a black SUV withy shadowed windows, which show the FIFA logo as well as the license plate »001«. »Mr. Blatter´s agenda is only known by his closest staff«– says the receptionist.</p>
<p>Right before the start of the FIFA congress and the World Cup, the organization has been facing unprecedented pressure. The FIFA has been daily criticized regarding the World Cups in Brazil and Qatar and also internally severe dissonances have emerged. On this particular night, however, the organization seemed to have been untroubled by the negative signs. It is one big party consisting of a lot of hand shaking and big smiles everywhere. People are enjoying their drinks at the Hotel bar while a women in her mid-thirties – wearing eye-catching high heels and a jacket with a leopard pattern – is directly and discreetly escorted to the elevator by an employee of the hotel. Later on the evening, General Secretary Jerome Valcke whizzes past the crowd still standing in the hotel lobby -accompanied by appreciative backslappings &#8211; with a winning smile. The FIFA has arrived in Brazil safely, and they coming into the World Cup on a high– to stick with the football jargon.</p>
<p>The controversy of Brazil can be felt in only one day. A boy from a local community around the stadium had to be displaced, but still can´t wait for the World Cup to begin. A former FIFA employee is now trying to find the true spirit of football through is project to promote social change through football. And the bumpy football pitch is only a few kilometres away from the marmoreal hotel lobby. Both places accommodate football – in their own peculiar way.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Translation: Jasper Schlump &amp; Max Oehl</p>
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		<title>Die Spieleröffnung der »Paulistas«</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jun 2014 00:07:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[hintergrund:ecke]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstrationen]]></category>
		<category><![CDATA[Eröffnungsspiel]]></category>
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		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Weltmeisterschaft in Brasilien hat begonnen. In den Bars und Restaurants fließt das Bier, auf den Straßen gab es die ersten brenzligen Situationen und die Fifa sorgt mit einer fragwürdigen Aktion für Stirnrunzeln. Ein Rückblick auf den Tag des Eröffnungsspiels....]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Weltmeisterschaft in Brasilien hat begonnen. In den Bars und Restaurants fließt das Bier, auf den Straßen gab es die ersten brenzligen Situationen und die Fifa sorgt mit einer fragwürdigen Aktion für Stirnrunzeln. Ein Rückblick auf den Tag des Eröffnungsspiels.</em></p>
<p>(São Paulo)</p>
<p>Donnerstag, 13 Uhr, vier Stunden vor dem Eröffnungsspiel der WM 2014, sind die breiten Straßen im Westen São Paulos wie leer gefegt. Es ist Feiertag. Die Menschen befinden sich entweder zu Hause vor dem Fernseher oder in der Metro, auf dem Weg nach Itaquera, zur Corinthians Arena.</p>
<div id="attachment_305" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_026.jpg"><img class="size-large wp-image-305" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_026-1024x578.jpg" alt="Mittags am Feiertag: Leere Straßen in São Paulo. (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Mittags am Feiertag: Leere Straßen in São Paulo. (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Nach fünf Tagen Streik fahren die öffentlichen Verkehrsmittel heute wieder einwandfrei. Natürlich überwiegt die Farbe Gelb in der vollen Bahn. Da fallen die vier neutral gekleideten Damen Mitte 40 im hinteren Waggon schon auf. Sie unterhalten sich lautstark auf Deutsch, es geht um Tickets für das gleich beginnende Eröffnungsspiel. Eine von Ihnen ist tatsächlich seit heute Morgen in Besitz eines solchen. Die Geschichte, wie sie es bekommen hat, klingt so abwegig, so skurril, dass sie gerade deshalb kaum Zweifel an ihrer Wahrheit lässt.</p>
<p>»Wir sind Stewardessen bei der Lufthansa und wohnen im gleichen Hotel wie die Fifa«, erzählt die blonde Frau mit 80er-Jahre Dauerwelle. »Heute Morgen kam ich in die Hotel-Lobby, in der sich ungewöhnlich viele Menschen aufhielten. Ich traute meinen Augen nicht, doch da standen tatsächlich mehrere Fifa-Mitarbeiter und verschenkten Tickets für das Eröffnungsspiel. Sie verschenkten sie nicht nur, sie warfen geradezu um sich mit Eintrittskarten. Und die Menschenmenge fing sie auf, ich konnte ebenfalls eines ergattern. Meine Kolleginnen hier kamen leider zu spät.« Eine der drei »Unglücklichen« fügt hinzu: »Wir versuchen jetzt durch einen Fifa-Kontakt aus dem Hotel direkt vor dem Stadion noch Tickets zu bekommen.« Hastig steigen die vier aus der Bahn aus und stöckeln zielstrebig auf die Corinthians Arena zu.</p>
<p>Was bleibt, ist Fassungslosigkeit: Wer sich in den letzten Wochen mit der WM 2014 befasst hat, weiß, dass der Großteil der Brasilianer sich keine Eintrittskarte für das Eröffnungsspiel leisten kann. Und nun sind tatsächlich noch Tickets für das Eröffnungsspiel übrig und die Fifa verschleudert diese an ausländische Hotelgäste, die in einem der teuersten Hotels São Paulos nächtigen. Der Fifa ist das Gastgeberland Brasilien gänzlich egal, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz. Einen anderen Schluss lassen Geschichten wie die der vier Stewardessen nicht zu.</p>
<div id="attachment_308" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_057.jpg"><img class="size-large wp-image-308" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_057-1024x578.jpg" alt="Fest im Blick: Kreisender Hubschrauber über der Corinthians Arena. (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Fest im Blick: Kreisender Hubschrauber über der Corinthians Arena. (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Auf einer Anhöhe steht sie, die Corinthians Arena. Ein Hubschrauber kreist permanent über ihr. Perfektes Fußballwetter, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Perfektes Wetter auch, um Geschäfte zu machen, um Meinungen zu vertreten, um zu werben. Wo der Fußball im WM-Gewand auftaucht, da wird geschrien, gefeilscht und getrunken. Das soziale Gefüge vor dem Stadion reicht von den etlichen Fahnenverkäufern, keine Miene verziehenden Polizisten, bibelverschenkenden Christen, britischen Muslimen, die den Islam anhand einer Taktiktafel erklären (»What is your goal?«), Sponsorenvertretern in der Coca-Cola-Lounge, bis hin zu den klassischen Schwarzhändlern. 900 Dollar will einer von ihnen für eine Eintrittskarte haben. Vor einigen Minuten waren es noch 1000 Dollar. Vor den ersten Toren fallen die Preise. Die Händler werden nervös, denn nebenan im Stadion läuft schon die Eröffnungszeremonie.</p>
<div id="attachment_307" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_050.jpg"><img class="size-large wp-image-307" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_050-1024x578.jpg" alt="Verrückt oder gutes Timing? Dieser Herr sucht eine halbe Stunde vor Anpiff noch nach Tickets. (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Verrückt oder gutes Timing? Dieser Herr sucht eine halbe Stunde vor Anpiff noch nach Tickets. (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Die Möglichkeiten das Eröffnungsspiel, das zweieinhalb Milliarden Menschen auf der Welt verfolgen, vor dem Stadion zu sehen, sind begrenzt. Eine einsame Leinwand hält die Stellung, vor ihr tobt ein Menschenwirrwarr, das hauptsächlich aus Brasilianern und ein paar rotweiß gekleideten Kroaten besteht. Wer kein Ticket und es auch nicht mehr in diesen Bereich geschafft hat, muss umdisponieren. In 20 Minuten geht die WM los.</p>
<p>Szenenwechsel. An der Metrostation Tatuapé, acht Stationen vom Stadion entfernt, herrscht eine gespenstische Atmosphäre. Hier und in der Umgebung hat es vor einigen Minuten noch Demonstrationen und Proteste gegeben. Ein letztes, verzweifeltes »Nao vai ter Copa« &#8211; Es wird keine WM geben &#8211; kurz bevor es sie doch geben wird. Oder doch ein Neuanfang der Bewegung aus dem Vorjahr? Das große Polizeiaufgebot an dieser Station, lässt ahnen, dass letzterer durchaus noch möglich ist. Jetzt aber bewachen die Männer mit ihren klobigen Schutzschildern einen leeren Bahnhof.</p>
<div id="attachment_309" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_066.jpg"><img class="size-large wp-image-309" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_066-1024x578.jpg" alt="Abgeschirmt: Ein Teil des großen Polizeiaufgebots in Tatuapé (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Abgeschirmt: Ein Teil des großen Polizeiaufgebots in Tatuapé (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Nebenan befindet sich ein raues, aber herzliches Fast-Food-Restaurant mit Bahnhofskneipencharme. Hier gibt es Pommes, Käse-Schinken-Sandwiches und Bier. Ein kleiner Fernseher muss für den ganzen Raum reichen. Die Stimmung ist angespannt, viele der anwesenden Brasilianer verfolgen andächtig die ersten Minuten des Spiels. Laut ist es trotzdem. Das liegt an den unzähligen Tröten, die den ganzen Laden aus allen Himmelsrichtungen stakkatoartig beschallen. Sein eigenes Wort versteht man eigentlich nur zweimal innerhalb der 90 Minuten: nach Marcelos Eigentor und vor Neymars Elfmeter zum 2:1. Die Zeitspanne, die verstreicht, nachdem sich Neymar den Ball zurechtgelegt hat, wirkt nicht nur außergewöhnlich lang, sondern sie ist es auch. »Warum wartet der so lange?«, scheint ein Mann direkt unterhalb des Fernsehers seinen Nebenmann zu fragen. Und nun verstummen auch kurzzeitig die Tröten. Denn in diesem Moment entscheidet sich viel mehr als nur das Spiel. Und Neymar trifft.</p>
<p><iframe width="640" height="480" src="http://www.youtube.com/embed/AAgVUfTKM80?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Nach Spielende kennt ein Brasilianer namens Vagner, der schon während des Spiels mehrmals auf den Tisch gestiegen ist, kennt kein Halten mehr. »Ich bin überglücklich und das sollte das ganze Land sein. Das war ein schwieriges Spiel, aber wir haben es gewonnen. Alle Getränke gehen heute auf mich«, sagt er. Und das waren nicht wenige.</p>
<div id="attachment_310" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_093.jpg"><img class="size-large wp-image-310" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140612_093-1024x578.jpg" alt="Noch lange nicht ausgetrötet: Nach Neymars Tor legt dieser Mann erst richtig los. (Bild: T. Zwior)" width="1024" height="578" /></a><p class="wp-caption-text">Noch lange nicht ausgetrötet: Nach Neymars Tor legt dieser Mann erst richtig los. (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Brasilien entscheidet das wichtige Eröffnungsspiel für sich, sportlich läuft so zumindest erst einmal alles nach Plan. Der Abend an diesem Feiertag ist nach Spielschluss noch jung, doch die »Paulistas«, wie man die Menschen in São Paulo nennt, haben sich in den vergangenen Stunden schon komplett verausgabt. Haben gefiebert, getrunken, getanzt – und an anderer Stelle demonstriert. Die Stimmung auf den Straßen schwankt zwischen Euphorie und Müdigkeit. Irgendwie kann niemand mehr richtig feiern, aber nach Hause will auch keiner.</p>
<p>An einer Straßenecke in der Nähe des Viertels Vila Madalena steht der 20-jährige Caio mit ein paar Freunden und trinkt gemütlich ein Dosenbier. Ein Joint macht die Runde. Was er nach dem frühen Eigentor durch Marcelo gedacht habe? »Ich dachte nur, bitte bitte nicht. Wollen wir uns nach den ganzen negativen Schlagzeilen der letzten Wochen über unser Land jetzt auch noch im Fußball vor der Welt blamieren?«, sagt er. Und obwohl er sich eigentlich nicht groß für Fußball interessiert und der WM gegenüber sehr skeptisch eingestellt ist, spürt man, wie wichtig ihm dieser Sieg ist.</p>
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		<title>Die Herbergen des Fußballs</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jun 2014 08:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Zwior]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fifa]]></category>
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		<description><![CDATA[Häufig wie nie zuvor war in den letzten Wochen in den deutschsprachigen Medien von Brasilien als Land der Gegensätze die Rede. Hin- und hergerissen zwischen der fast traditionellen Lust auf Fußball und der nun schon vor der »Copa da Copas«...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Häufig wie nie zuvor war in den letzten Wochen in den deutschsprachigen Medien von Brasilien als Land der Gegensätze die Rede. Hin- und hergerissen zwischen der fast traditionellen Lust auf Fußball und der nun schon vor der »Copa da Copas« lähmenden Ernüchterung. Das reine, pure Spiel des Fußballs, das so sehr mit Brasilien assoziiert wird steht in krassem Widerspruch zu der durchkommerzialisierten Show, die die Fifa und ihre Sponsoren in den nächsten sechs Wochen veranstalten werden. ecke:sócrates ist vor Ort und konnte derartige Widersprüche an nur einem einzigen Tag erleben.</em></p>
<p>(São Paulo)</p>
<p>Nur ein paar Hundert Meter Luftlinie von der Corinthians Arena entfernt, dem Ort, an dem am kommenden Donnerstag die WM angepfiffen wird, befindet sich ein kleiner Bolzplatz. Sein steppenähnliches Spielfeld ist von kleinen Grasbüscheln übersäht, eine bemalte Mauer auf der einen und ein Zaun auf der anderen Seite bilden die Grenzen und eine einsame Brasilien-Flagge beobachtet das Geschehen vom Schornstein eines der angrenzenden Hochhäuser aus. Es ist zehn Uhr morgens und drei Jungs, Vinicius, Rai und Pedro, stürmen den Platz und beginnen sofort Ball um Ball durch die nicht vorhandenen Tornetze zu jagen.</p>
<div id="attachment_293" style="width: 3098px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_010.jpg"><img class="size-full wp-image-293" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_010.jpg" alt="Rai, der mit zweitem Vornamen Ronaldo heißt, beim Torschuss (Bild: T. Zwior)" width="3088" height="1744" /></a><p class="wp-caption-text">Rai, der mit zweitem Vornamen Ronaldo heißt, beim Torschuss (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Es ist ein besonderer Ball. Andrew Aris, ein großer, langhaariger Neuseeländer mit dezentem Kinnbart, Typ Weltenbummler hat ihn mitgebracht. Er arbeitet für den Verein »Spirit of Football«, dessen Gründer vor den letzten Weltmeisterschaften jeweils mit einem Ball um die ganze Welt reisten und ihn von allen Menschen, die ihnen auf dem Weg begegneten signieren ließen. Der diesjährige Ball wurde von einem Gefängnisinsassen in São Paulo genäht und hat schon diverse Länder in Europa und auf dem gesamten amerikanischen Kontinent bereist, bevor er kurz vor der WM wieder an seinen Heimatort zurückkehrte.</p>
<p>Auch Fußballgrößen wie Dani Alves, Mats Hummels und der uruguayische Siegtorschütze des Entscheidungsspiels der letzten brasilianischen WM 1950, Alcides Ghiggia, haben ihn schon unterzeichnet. »Der Ball ist wie die Olympische Fackel«, sagt Andrew. »Er ist ein Symbol für das Zusammenwachsen der Welt.« »One Ball, one world« lautet das Motto der Organisation. Verbunden mit der Reise des Balls sind dabei stets Spiele und Workshops, in denen vor allem Jugendlichen die Gedanken des Fairplay und des Teamgeists vermittelt werden sollen.</p>
<div id="attachment_292" style="width: 1210px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/IMG_7258-web.jpg"><img class="size-full wp-image-292" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/IMG_7258-web.jpg" alt="The Spirit of Football" width="1200" height="800" /></a><p class="wp-caption-text">The Spirit of Football &#8211; dieser Ball hat in den letzen Monaten einiges erlebt. Was ihm anzusehen ist. (Bild: Caio Vilela)</p></div>
<p>Es dauert nicht lange, da findet sich der von einer sechsmonatigen Reise und tausenden Unterschriften gezeichnete Ball in einem rasanten Spiel zwischen Andrew und seinen zwei Bekannten und den drei brasilianischen Jugendlichen wieder. Als die Spieler am Ende ziemlich erschöpft gemeinsam mit einer Wasserflasche am Spielfeldrand sitzen, erzählt der 16-jährige Vinicius seine Geschichte.</p>
<p>Er kommt aus dem Stadtteil Itaquera und gehört zu einer der Familien, deren Zuhause dem neuen Stadion weichen musste. Er hätte allen Grund die WM zu verfluchen, doch er kann es nicht: »Ich liebe den Fußball, spiele schon seit ich klein bin und kann mir nichts Größeres vorstellen als eine Weltmeisterschaft direkt vor meiner Haustür«, sagt er. Wie zum Beweis zeigt er später in seinem neuen Zimmer stolz mehrere Trikots und den WM-Spielplan an der Wand. Vielleicht liegt sein nicht vorhandener Zorn auch daran, dass die neue Wohnung seiner Familie sich im selben Stadtteil befindet, was längst nicht allen auf Druck der Fifa umgesiedelten Familien vergönnt war.</p>
<div id="attachment_294" style="width: 3098px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_033.jpg"><img class="size-full wp-image-294" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_033.jpg" alt="Vinicius in seinem neuen Zuhause. Den WM-Spielplan kann er auswendig. (Bild: T. Zwior)" width="3088" height="1744" /></a><p class="wp-caption-text">Vinicius in seinem neuen Zuhause. Den WM-Spielplan kann er auswendig. (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Andrew hingegen, der in Erfurt studiert und während der WM 2006 sogar für die Fifa gearbeitet hat, kann seinem ehemaligen Arbeitgeber nichts mehr abgewinnen. »Je mehr ich über das Wirken der Fifa in Brasilien erfahre, desto wütender werde ich«, sagt er. »Die Fifa kommt in ein Land, kassiert ein paar Wochen lang ab und geht dann wieder. Zurück bleiben Probleme.« Es gebe nur Lippenbekenntnisse und sozialen Marketingtricks, jedoch keinen nachhaltigen Ansatz. »Dabei könnte man doch zum Beispiel aus solch einem Stadion so viel Gutes schöpfen, wenn man es zum Beispiel zum Kulturzentrum für alle umfunktionieren würde.«</p>
<div id="attachment_295" style="width: 3098px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_049.jpg"><img class="size-full wp-image-295" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_049.jpg" alt="Andrew sammelt noch ein paar weitere Unterschriften für &quot;The Ball&quot;. Jeder, der zurückköpft darf unterschreiben - wie Dani Alves, Fabregas oder Cavani zuvor. (Bild: T. Zwior)" width="3088" height="1744" /></a><p class="wp-caption-text">Andrew sammelt noch ein paar weitere Unterschriften für &#8220;The Ball&#8221;. Jeder, der zurückköpft darf unterschreiben &#8211; wie Dani Alves, Fabregas oder Cavani zuvor. (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Die Menschen, die Andrew kritisiert und die dafür verantwortlich sind, dass Vinicius‘ Familie umziehen musste, sitzen an diesem Tag in derselben Stadt, einige Kilometer südwestlich. Die Abenddämmerung hat schon eingesetzt, als vor dem Grand Hyatt Hotel im Stadtteil Morumbi eine Motorradkolonne um die Ecke biegt. Dicht dahinter folgt eilig ein schwarzer SUV mit verdunkelten Fensterscheiben, der das Fifa Logo und das Kennzeichen »001« trägt. Präsident Sepp Blatter auf dem Weg zum Abendessen, so scheint es. »Was der Herr Blatter heute noch vorhat, weiß nur sein engster Betreuungsstab«, sagt die Frau vom Empfang.</p>
<div id="attachment_297" style="width: 3098px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_084.jpg"><img class="size-full wp-image-297" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_084.jpg" alt="Das Grand Hyatt Hotel spiegelt das Selbstverständnis der Fifa wider. (Bild: T. Zwior)" width="3088" height="1744" /></a><p class="wp-caption-text">Das Grand Hyatt Hotel spiegelt das Selbstverständnis der Fifa wider. (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Vor dem diese Woche stattfindenden Fifa-Kongress und der WM steht die Organisation so stark wie zu keinem anderen Zeitpunkt in ihrer Geschichte unter Druck. Von außen hagelt es täglich neue Kritik an den Weltmeisterschaften in Brasilien und Katar und im Inneren gibt es große Unstimmigkeiten. Davon ist an diesem Abend in der luxuriösen Lobby des Grand Hyatt jedoch kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil: Es ist ein einziges großes Händeschütteln, ein Grinsen breiter als das nächste. An der Hotelbar wird gut getrunken und eine Dame mit dreißig Zentimeter hohen Absätzen und eine Leopardenmuster-Jacke wird direkt nach ihrem Erscheinen in der Lobby dezent von einem Hotel-Mitarbeiter zum Aufzug geleitet. Generalsekretär Jerome Valcke rauscht zu späterer Stunde mit einem gewinnenden Lächeln und ein paar Schulterklopfern an den etlichen Lobby-Stehern vorbei. Die Fifa ist gut in Brasilien angekommen und geht, um im Fußballjargon zu bleiben, mit breiter Brust ins Turnier.</p>
<div id="attachment_296" style="width: 3098px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_090.jpg"><img class="size-full wp-image-296" src="http://www.eckesocrates.de/wp-content/uploads/2014/06/WP_20140608_090.jpg" alt="Händeschütteln, Schulterklopfen, Smalltalk in der Hyatt-Lobby (Bild: T. Zwior)" width="3088" height="1744" /></a><p class="wp-caption-text">Händeschütteln, Schulterklopfen, Smalltalk in der Hyatt-Lobby (Bild: T. Zwior)</p></div>
<p>Die Widersprüchlichkeit des Landes Brasiliens vor der WM, sie kann man schon an einem einzigen Tag erfahren. Ein Junge muss wegen der WM umziehen und freut sich trotzdem wahnsinnig auf sie. Ein ehemaliger Fifa-Mitarbeiter versucht nun in einem Fußball-Sozialprojekt den wahren »Spirit of Football« zu finden. Und vom holprigen Bolzplatz bis zur marmornen Hotellobby sind es nur wenige Kilometer. Beide beherbergen den Fußball – auf ihre eigene Art und Weise.</p>
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